„Jäger Spezial“ heißt die neue Bierkreation

Die Geschichte der neuen Bierspezialität der Böblinger Schönbuch Braumanufaktur ist ungewöhnlich: Sie hat ihren Anfang in einem Flaschenfund bei Umbauarbeiten im Böblinger Filmzentrum Bären, nimmt bei einem Geburtstagfest ihren Lauf, führt über einen Tresor und endet schließlich in neuen Halbeflaschen und Steinkrügen: Das „Jäger Spezial“ ist geboren, ein schwächer gehopftes, vollmundiges Bier mit einer leichten Restsüße.

Es ist zunächst einmal den wachen Augen von Andreas Zienteck zu verdanken, dass die Böblinger Schönbuch Braumanufaktur überhaupt auf die Idee gekommen ist, ein Exportbier zu brauen, wie es in vergangenen Jahrzehnten üblich war: Schwächer gehopft, leicht süßlich im Abgang. „Das ist einfach eine ehrliche Halbe“, sagt Werner Dinkelaker“, Geschäftsführer der Schönbuch Braumanufaktur über die neueste Kreation des Hauses, das „Jäger Spezial“.

Zienteck ist Betreiber des Filmzentrums Bären in Böblingen. Im vergangenen Jahr baute er einen Teil des Filmpalasts um. Es handelte sich um den ehemaligen „Bärensaal“, in dem vor über 100 Jahren erstmals Filme gezeigt wurden. Bei den Bauarbeiten entdeckte Zienteck in einer Nische in einer Mauer eine alte Flasche der Schönbuch Braumanufaktur. Zienteck übergab die Flasche an Kessi Dinkelaker, die im vergangenen Jahr vom 4. auf den 5. August in der Gaststätte Seegärtle von Uwe Hutfilz in ihren Geburtstag hineinfeierte. Das Seegärtle war mit Bedacht gewählt, denn Hutfilz hat gemeinsam mit der Biersommelière Geburtstag. Andreas Zienteck kam vorbei, um zu gratulieren, als Geschenk hatte er die alte Flasche im Gepäck.

„Ich habe mich gefragt, aus welcher Epoche diese Flasche denn sein könnte“, sagt Zienteck, der sich von Werner Dinkelaker Hilfe erhoffte. Die Schönbuch Braumanufaktur archiviert ihre Flaschen, Biersorten und Etiketten. Werner Dinkelaker und sein Geschäftsführer-Kollege Götz Habisreitinger wurden fündig, sie entdeckten in einem Tresor die originalen orangefarbenen Etiketten.

„Ich habe die Flasche auf meinen Schreibtisch gestellt und habe sie mir einige Monate lang morgens immer wieder angeschaut“, erzählt Dinkelaker. Schließlich fragte er bei seinem Vater Werner Dinkelaker senior nach, ob dieser sich noch an das Bier erinnern könne. „Aus dem angetrockneten Rest in der Flasche konnten wir keine Informationen mehr herausholen“, sagt Dinkelaker. „Mein Vater schilderte mit etwas von einem schwach gehopften Bier.“

Letztlich wagte die Schönbuch Braumanufaktur den Schritt und braute das Exportbier ein, hielt sich an die wenigen bekannten Informationen und passte das Bier dem heutigen Trend an. Herausgekommen ist eine Bierspezialität im Retro-Style, die offenbar den Geschmack der Biertrinker trifft. Die Polarnacht ist der Beleg dafür, nahezu alle Gaststätten, die während der Livemusik-Veranstaltung das „Jäger Spezial“ im Angebot hatten, meldeten: ausverkauft.

Die Braumanufaktur nahm einige Umbauarbeiten und Investitionen vor, um das „Jäger Spezial“ auf den Markt zu bringen: In der Abfüllanlage musste Bauteile angefertigt werden, damit die Abfüllung reibungslos funktioniert. Es mussten neue Flaschen sowie neue Kästen eingekauft werden, dazu neue Krüge. Dinkelaker: „Wir wollen das Bier in Tonkrügen servieren, wie es früher in vielen Kneipen der Fall war.“ Zunächst gibt es das „Jäger Spezial“ nur als Flaschenbier.